Mentiroso wurde am 01.05.2009 geboren und ist ein Hispano-Araber-Wallach der aus Andalusien kommt.

 

Erster Kontakt:

Die Besitzerin vón Mentiroso hat mit mir per Mail Kontakt aufgenommen. Dort hat sie mir Ihre Situation geschildert. Da sie für die weitere Geschichte nicht wichtig ist, möchte ich diese hier auch nicht veröffentlichen.

Sie beschrieb Menti, so ist sein Rufname, als Sensible und wissbegierig. Allerdings auch als eigensinnig und leider bissig.

Menti kommt aus Andalusien. Dort wurde er 6 Jahre in einer Box gehalten. Während diese einmal täglich gemistet wurde, wurde Menti am Kopf festgehalten und auch geschlagen. Er wurde mit scharfer Spanischer Trense geritten und kam nie raus. Sie wusste von seinem Verhalten nichts, da im Nachhinein rauskam, das er wohl sediert (ruhiggestellt) war. Sie wollte ihn aus den Verhältnissen rausholen und hat ihn persönlich aus Andalusien abgeholt.

Das waren in etwa die Angaben die ich bei der ersten, sehr ausführlichen Mail, bekommen habe. Nach dem darauf folgenden Telefonat haben wir ein Termin zum kennen lernen vereinbart.

 

Erstes Treffen:

Am 21.01.2017 habe ich mich dann mit der Besitzerin getroffen. Durch das Telefonat und einiger Whats Apps wusste ich, dass Menti gerne beißt und sich auch schon fest gebissen hat. Durch meine langjährige Erfahrung weiß ich, wie schmerzhaft Pferdebisse sein können. Ich bin also mit einem gemischten Gefühl losgefahren und war gespannt auf das was kommt. Die Besitzerin äußerte, sie habe das Gefühl er beißt, wenn er Aufmerksamkeit möchte. Ich wollte mir das alles erst einmal ansehen und dann entscheiden was ich mache. Jedes Pferd ist anders und so wollte ich mir erst ein eigenes Bild machen.

Am Stall angekommen stand Menti schon in der Box. Die Besitzerin sagte mir gleich, dass sie wegen einer OP nichts machen durfte, aber ich könnte alles probieren. Menti war sehr neugierig. Aufgrund seiner Geschichte hielt ich aber erstmal Abstand und beobachtete ihn nur. Die Besitzerin teilte mir außerdem mit, dass gleich gefüttert werden würde. Menti wurde auch schon unruhig, als er den Futterwagen hörte. Ich wollte das Füttern erst abwarten. Während ich Menti beobachtete, lies ich mir noch ein paar Sachen erklären. Die Besitzerin hat versucht die Beißerei durch Ignorieren in den Griff zu bekommen. Sie wollte ihn auf keinen Fall schlagen, wie es in Spanien gemacht wurde. Das konnte ich gut verstehen und war auch für mich zu keinem Zeitpunkt die Lösung. Als sie ihn regelmäßig gearbeitet hatte, ist es besser geworden. Doch dann bekam er Probleme mit seiner Sehne und durfte nicht mehr so viel machen. Er musste den Stall wechseln und die Besitzerin wurde krank. Das alles verschlimmerte die Beißattacken wieder. Zwei Trainer hatte er bereits in "die Flucht" geschlagen. Menti ist gut 1,60 m groß und wiegt bestimmt um die 450 kg. Nach wie vor hatte ich Respekt, aber ich musste mich nun mit ihm auseinander setzten. Zwischendurch kam er immer mal wieder schauen was wir machen und ich ließ ihn mal schnuppern. Dann ging ich zu ihm in die Box. Er war sehr neugierig und während er die Silage kaute konnte ich ihn kraulen und massieren. Nach 5 Minuten nahm ich seine Decke ab und hab ihn einmal komplett durchmassiert. Er ließ sich anstandslos überall anfassen. Gab lieb die Hufe und schaute nur ab und zu argwöhnisch. Am Kopf und am Halsansatz zeigte er klare Grenzen und schnappte nach mir. Kein Anzeichen von Vorwarnung oder Aggression. Er schnappte einfach.

 

Es half alles nichts....ich musste ihn laufen sehen. Nach Auskunft der Besitzerin blieb er schon mal gerne unterwegs stehen, mag nicht gerne andere Pferde in der Halle und überhaupt ist es schwierig. Wie an größeren Stellen leider üblich, hatten wir die Halle nicht für uns, so dass nur die Arbeit am Strick blieb. Vorsichtshalber hatten wir noch einen Maulkorb mit. Ich hatte lediglich Halfter, Strick und Gerte dabei.

Menti ging ganz lieb mit zur Halle. Zwischendurch blieb er mal ganz kurz stehen, aber im Großen und Ganzen sind wir gut rüber gekommen. In der Halle angekommen, habe ich versucht ihn mit einem Meter Abstand zu führen. Immer neben der Schulter um möglichst "sicher" zu stehen. Zwischen Menti und mir habe ich die Gerte gehalten. Ich habe draußen beobachtet, wie er bei der Besitzerin in die Gerte beißen durfte und dachte es sei eine schöne Alternative zu mir. Das hat ganz gut geklappt. Immer wenn er eine "Beißattacke" hatte, habe ich ihn mit der Gerte angestupst (wichtig - nicht geschlagen). Und der Moment war vorbei. So konnte ich ihn im Schritt, Rückwärts und im Trab etwas bewegen. Er hat sich sofort auf meine Körpersprache eingestellt und war voll da. Erst als das zweite Pferd in der Halle bockend los Galoppierte, machte auch er kleinere Sprünge. Aber er lies sich direkt wieder einfangen und beruhigen. Auch bei mir blieb er stehen, doch ich versuchte auf keinen Fall Druck auszuüben und so ging ich einfach einen Schritt zurück und bot ihm die Möglichkeit mir wieder zu folgen. Mit Erfolg.

Nach 40 Minuten konnte ich mit einem zufriedenen Pferd die Halle wieder verlassen. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich mit ihm angelegt und der Strick hang die ganze Zeit locker durch. Die Besitzerin kommentierte dies mit einem: So gut ist er noch bei keinem Fremden gelaufen.

 

Auf dem nach Hause Weg dachte ich viel über Menti nach. Er hatte mich richtig gefangen genommen, denn ich konnte zu dem Zeitpunkt nichts zu seinem Gangwerk oder ähnlichem sagen. Ich hätte nicht sagen können was um mich herum passiert ist. Es war ein hochkonzentriertes und gutes Training. Ich konnte die Meinung der Besitzerin im Moment allerdings nicht teilen, obwohl sie ein wirklich gutes Auge fürs Pferd hat. Ich glaube Menti beißt nicht weil er Aufmerksamkeit möchte, sondern weil er seinen kopf verteidigt. Da er in Spanien wohl in der Box geschlagen wurde, hatte er keine Fluchtmöglichkeit. Meine Theorie ist, dass er sich über den Angriff verteidigt hat und das bis heute noch so macht. Solang man weit genug vom Kopf und Halsansatz weg ist, ist es kein Problem. Die weitere Arbeit wird zeigen, ob diese Theorie stimmt. Manchmal ändern sich die ersten Eindrücke - man muss nur immer wieder genau zuhören.

 

Der Umzug:

Am Freitag, den 03.02.2017 habe ich Menti aus Wuppertal abgeholt. Ich habe mir tagelang Gedanken gemacht, wie ich ihn am besten in die Gruppe einfügen kann. Ein Umzug bedeutet für Pferde immer Stress, daher versuche ich diese Zeit so kurz wie möglich zu halten. Normalerweise gehen alle neuen Pferde direkt in die Endgruppe. Nun hatte ich hier die Besonderheit, dass Menti wegen seines Beines und seines Verhaltens lange stand. Er sollte langsam wieder an mehr Bewegung gewöhnt werden. An dem jetzigen Stall stand er tagsüber auf einem kleinen Paddock, kein Platz zum Rennen und wegen des Frostes auch kein Boden zum Wälzen. Ich entschied mich Menti mit Nero vorerst in unseren Garten zu stellen. Ich wählte Nero, da er der ruhigste ist und sich nicht so leicht anstecken lässt. Aber trotzdem ist er aufmerksam und spielt. Die Fläche ist ungefähr so groß wie eine halbe Reithalle. Allerdings wohnen dort auch unsere Kaninchen und mit den beiden Clowns sollte das sicher spannend werden. Na ja, für ein paar Stunden unter Beobachtung sollte es wohl reichen.

Menti ging gut auf den Hänger, doch dann war er sehr unruhig und hat sich sehr aufgeregt. Als wir bei uns ankamen war er sehr geschwitzt. Daher entschied ich mich, ihn trotz des schönen Wetters mit Decke raus zu stellen. Menti begrüßte Nero und dann wurde erstmal was gefressen. Dann ist ihm wohl der Platz aufgefallen und er musste los Galoppieren. Es war wirklich schön anzusehen auch wenn ich mir ein wenig Sorgen um sein Bein machte. Aber er hatte immer wieder Zeit zum fressen, zum wälzen und er schaute sich seine Umwelt an. Zwischendurch musste er sich auch mal die Kaninchen anschauen. Nach drei Stunden ging es dann runter von der Wiese.

Normalerweise sollen sich die Pferde bei mir erst ordentlich eingewöhnen, bevor es an die Arbeit/Korrektur geht. Doch Menti bildet auch hier eine Ausnahme. Ich möchte herausfinden, wann er beißt. Ob es Langeweile, Überforderung oder etwas Neues ist. Oder ob meine Ausgangstheorie stimmt. Außerdem wollte ich auch prüfen, ob er lahmt und ob das Bein noch in Ordnung ist.

Mit Nero ging es dann in die Halle. Nero wurde ebenfalls am Boden gearbeitet und ich habe mit Menti das Training wiederholt. Er hat super mitgearbeitet. Nach wie vor war der Kopf aber eine Tabu-Zone. Halftern wurde geduldet aber Druck jeglicher Art sollte vermieden werden. Das haben wir gut hinbekommen und so konnten wir mit leichtem Training nach 30 Minuten die Halle wieder verlassen. Das war auch mehr als genug für den ersten Tag.

Natürlich soll er auch in den Offenstall, aber dazu muss er erst vollständig fit sein. In der Box war er sehr unruhig. Und obwohl Nero neben ihm stand hat es einige Zeit gedauert, bis er sich beruhigt hat. Als ich nochmal in die Box gegangen bin um ihm das Futter in den Trog zu kippen, war er sehr aufdringlich und fordernd. Ich schickte ihn ganz kurz rückwärts, nur so viel das ich schnell füttern konnte. Ich wollte ihm nun einfach die Ruhe gönnen die er nach so einem Tag brauchte.

Der Tag brachte aber zwei wichtige Erkenntnisse. Erstens Menti liebt es draußen zu sein und Gesellschaft zu haben. Er nimmt seine Umwelt gut wahr und beobachtet erst einmal alles bevor er reagiert. Und zweitens, er beißt keine Artgenossen. Zumindest Nero hat nichts abbekommen. Im Gegenteil, zwischendurch sah es fast so aus als würden sie Fellpflege betreiben. Das heißt, Menti hat ein Problem mit Menschen, die dieses Verhalten wohl verursacht haben.

 

Trainingsabschnitt 1 (Sa. 04.02 bis So 12.02.2017):

Die erste Woche dient immer dazu, dass Pferd besser kennen zu lernen. Herauszufinden wo die Probleme sind und wann das "Fehlverhalten" auftaucht. Wichtig hierbei ist, das Verhalten nicht absichtlich zu provozieren um das aufkeimende Vertrauensverhältnis nicht direkt wieder zu zerstören. Außerdem ist es wichtig Lösungsansätze zu finden und "Spielregeln" aufzustellen.

 

Was hatte ich zu Beginn des Trainings:

1. Ein Pferd mit einem Sehnenschaden das erst langsam wieder an die Bewegung gewöhnt

    werden soll. Diese Tatsache musste ich bei aller Bewegung berücksichtigen.

2. Ein Pferd, dass bei vielen Gelegenheiten beißt und unberechenbar zu sein scheint.

3. Ein Pferd, dass mich Abends nicht in Ruhe, in der Box, füttern lässt. Menti weicht nicht,

    sondern wird sehr aufdringlich. Ich möchte ihn aber unbedingt von drinnen füttern.

 

Am Samstag früh war ich sehr gespannt, ob sein Bein der ungewohnten Bewegung standgehalten hat. Ich war sehr froh, dass dies der Fall war. Das Bein war dünn und kalt. So konnte es in die nächste Runde gehen. Ich stellte Menti und Nero abseits auf eine größere Wiese. Um Menti an seine neuen Kumpels zu gewöhnen, stellte ich ihm nach und nach noch zwei Stuten und einen Wallach dazu. Alle Pferde wurden kurz beschnuppert und dann war es auch schon wieder gut. Es gab lediglich ein kleineres Gerangel was aber nach ein paar Minuten vorbei war. Menti ordnete sich sofort unter, nahm Nero als Schutzmauer wahr und beobachtete in aller Ruhe den Rest. Nach sechs Stunden kam er dann wieder rein. Das Bein wurde natürlich sofort kontrolliert. Alles in Ordnung.

Ich habe ihn dann geputzt. Das findet er auch gut, solange man ihn nicht am Halfter festhält. Dann fängt er wieder an zu schnappen. Auch beim auskratzen der vorderen Hufe sollte man nicht zu sicher sein. Mit einem entsprechend langen Strick nutzt er die Unaufmerksamkeit sofort aus. Nero stand in seiner Nähe und so war er ganz ruhig.

Da wir nicht alleine in der Halle waren, habe ich ihn an die Longe genommen. Ich bin mit ihm erst einmal durch die Halle gegangen. Das ist gar nicht so einfach, da ein Sicherheitsabstand von großem Vorteil ist und er lieber im Kreis läuft. Ich habe versucht dabei ein wenig Abwechslung einzubauen und habe zwischen Schritt-Halten-Rückwärts gewechselt. Nach dem warmführen habe ich ihn dann etwas longiert. Das hat er ganz lieb gemacht. Allerdings hat er sich von den anderen Pferden auch ablenken lassen. Unseren Shetty Calli hat er sogar mehrfach "angegriffen". Ich konnte ihn zu jedem Zeitpunkt halten, aber er hat einen Satz auf ihn zu gemacht, mit angelegten Ohren und aufgesperrtem Maul. Das hat er aber nur bei ihm gemacht, die anderen Pferde/Ponys waren ihm hier egal. Nachdem longieren habe ich nochmal etwas Bodenarbeit gemacht. Die Beißattacken waren hier deutlich weniger, aber sie waren noch immer da. Mit Abwechslung und Keksen konnte ich ihn Ablenken. Nach 45 Minuten ging gar nichts mehr. Die Attacken wurden immer schlimmer und er konnte nicht mehr beruhigt werden.

Ich bekam das Gefühl, dass er immer beißt, wenn er Unterfordert, Gelangweilt und Ungeduldig ist. Und er möchte die VOLLE Aufmerksamkeit. Außerdem verstärkt sich sein Verhalten, wenn er vorne festgehalten wird.

Zurück in der Stallgasse war er total unruhig. Ich konnte mich kaum von ihm wegbewegen ohne das er sich aufregte. Erst als Nero kam wurde es besser. Wir haben die zwei nochmal für 1 Stunde alleine auf die Weide gestellt. Sehr zu meiner Überraschung kam er beim reinholen auf Zuruf angaloppiert. Beim Füttern half mir dann das Überraschungsmoment und es war kein Problem. Allerdings zeigte er sich gegenüber einem anderen Pferd sehr Futterneidisch.

 

Auch am Sonntag war mein erster Gedanke. "Hat das Bein gehalten"? Aber auch an diesem Morgen war alles in bester Ordnung. Das Bein war kalt und dünn. Und Menti? Der war ganz schön wach und wollte unbedingt raus. Ich wollte ihn ja möglichst zügig in die Gruppe integrieren und so holte ich nun zwei Wallache rein und stellte ihn mit Nero auf die große Wiese. Die meisten kannte er ja schon und so gab es nur einen kleinen Galopp. Nero und Menti wurden ans andere Ende der Weide getrieben, wo sie sich den Rest des Tages aufhielten.

Als ich ihn am Abend reingeholt habe, kam er mir ein Stück entgegen. Auf der Stallgasse war er dann wieder unruhig. Die zwei Ponys, die er sehen konnte, waren daran sicher nicht ganz unschuldig. Er war ungeduldig und nervös und versuchte mehrfach mich zu beißen. Ich konnte dem aber gut ausweichen und beeilte mich um in die Halle zu kommen.

Zum ersten Mal hatte ich die Halle für mich und so wollte ich ihn endlich in der Freiarbeit erleben. In der Halle angekommen, wollte ich ihm das Halfter abnehmen. Da er im Moment noch mit Halfter draußen steht, war es so dreckig das ich es nicht gleich abbekam. Er wurde sehr unruhig und versuchte mich mehrfach zu beißen. Ein kleines Machtwort ließ ihn kurz stutzig werden und ich bekam es endlich ab. In der Freiarbeit zeigte er sich dann Problemlos. Er reagierte auf Körpersprache toll. Schritt-Trab-Halten-Rückwärts und Handwechsel haben Problemlos geklappt. Sogar ein kleiner Galopp war drin. Ich war doch sehr erstaunt. Menti ist absolut anhänglich und lies sich mit kleinsten Zeichen bewegen. Da er den ganzen Tag draußen war und ich ihn nicht überfordern wollte, verließen wir die Halle nach 25 Minuten wieder.

In der Box war er deutlich ruhiger als am Vortag und wieherte lediglich zwei Mal bis Nero da war. Auch beim Füttern war er nicht mehr so aufdringlich, es musste zwar noch besser werden, aber im Moment war es ok.

 

Auch am Montag war das Bein dünn und kalt und es beruhigte mich wirklich, dass es anscheinend der richtige Weg ist. Nicht immer sind die Entscheidungen richtig. Für seinen Kopf war das super. Den ganzen Tag draußen mit Kumpels. Aber letztendlich musste der Körper auch mitspielen. Der Montag war etwas chaotisch, da der Tierarzt zum chippen und röntgen kam. Gegen Mittag brauchte ich eine Box und so entschied ich mich Dino mit in die Gruppe zu stellen. Den hatte ich vorher mit Giddy reingeholt, damit Menti sich in Ruhe an die anderen gewöhnen konnte. Da war den ganzen Vormittag alles friedlich. Doch da hatte ich die Rechnung ohne die Wallache gemacht. Noch während der ersten Röntgenbilder haben Dino und Jerry Menti in die Mangel genommen. Erst ein paar Minuten später konnte ich hören, wie sie ihn im Unterstand in die Ecke gedrängt hatten. Ich eilte ihm zu Hilfe und war froh, Chef der Truppe zu sein. Ein kurzes und lautes "raus" bewegte die Herren auf schnellstem Wege nach draußen. Menti war zu dem Zeitpunkt stark geschwitzt und gestresst und so holte ich den kleinen direkt rein. Durch den Tierarzt konnte ich mich nicht weiter um ihn kümmern und so erholte er sich ganz in Ruhe. Mittags ging er dann alleine mit Nero auf die Sonderweide. Am Abend kam er ganz lieb und wegen der Turbulenzen hatte er an dem Tag frei. Wie befürchtet hatte er auch ein warmes und minimal dickes Bein. Ich hoffte, dass dies nicht schon das Ende der Eingliederung sei.

 

Am Dienstagmorgen dann die gute Nachricht. Das Bein war wieder ok. Ich holte wieder Giddy und Dino rein und stellte Menti mit in die Gruppe. Es kam zu keinen weiteren Vorfällen und Menti durfte auch schon kurz zur Heuraufe.

Mittags habe ich ihn dann zur Freiarbeit reingeholt. Beim putzten war er ruhig und lieb. Hier haben die Beißattacken schon fast ganz aufgehört. Als ich aber kurz raus musste, regte er sich wieder auf. Alleine sein ist nicht so seins.

In der Halle angekommen, war er am Anfang etwas nervös und unruhig. Dies führt nach wie vor zum Schnappen. Es wurde Zeit für "Spielregeln". Diese sehen vor, dass ich seinen Kopf weitestgehend in Ruhe lasse, wenn er nicht mag. Aber das er auch meinen Bereich in Ruhe lässt. Wenn er schnappt oder richtig beißt (ohne ersichtlichen Grund) bekommt er eine klare Ansage. Ich versuche ihm möglichst viel Abwechslung zu bieten. Ich versuche noch vor der Beißattacke ein Kommando abzufragen und dies durch Leckerchen zu belohnen. Soweit zur Theorie.

In der Freiarbeit ist es für beide Seiten sehr einfach Abstand zu halten. So konnten wir Schritt, Trab, Halten und Rückwärts Problemlos ausführen. Er hat bereits den Spanischen Schritt gelernt und zeigt diesen im Ansatz immer bei absoluter Übermotivation. Hier führe ich dieses "Kunststück" zum Entspannen und belohnen ein. Allerdings nur auf Anfrage, sonst wird es ignoriert. Nach 20 Minuten wollte ich mich mal draufsetzten. Immerhin ist er ja geritten. Da er super sensible ist, auf Körpersprache hervorragend reagiert und sich, abgesehen vom Beißen, nicht böse oder aggressiv zeigt habe ich mich zu einem ungewöhnlichen Weg entschieden. Ich wollte ihm die Freiheit einräumen, mich auch einfach abzusetzen. Er muss wieder Vertrauen fassen. Da er scheinbar alles beobachtet und dann abwägt habe ich mich ausschließlich mit einem Halsring drauf gesetzt. Menti war bei der Aufstieghilfe erst skeptisch, aber nach ein paar Minuten saß ich oben. Er blieb lieb stehen. Dann drehten wir zwei Runden, blieben zwischendurch stehen und dann bin ich auch schon wieder runter. Menti war ganz ruhig und lief ruhig und konzentriert. Nach der Arbeit durfte er wieder zu den anderen. Beim Füttern in der Box habe ich ihn dann erstmalig ein Schritt zurück treten lassen. Das war kein Problem. Er wollte zwar aufdringlich sein, aber keine Beißattacke und alles ganz ruhig. Ein toller Erfolg in der kurzen Zeit.

 

Auch am Mittwoch ging es für Menti in die große Gruppe. Dino und Giddy waren noch immer nicht dabei und so war alles ganz ruhig. Am Mittag durfte er sogar Heu fressen, während der Rest geschlafen hat.

Am Abend waren wir dann zur Bodenarbeit und für ein wenig Longe in der Halle. Sunny und Calli waren unter anderem auch dort. Menti ist die beiden wieder richtig angegangen. Warum er das macht, kann ich noch nicht sagen. Das werde ich aber beobachten. Ansonsten war er aber lieb und konzentriert wie in den letzten Tagen. Wir haben alle Lektionen wiederholt und es gab kaum Beißattacken gegen mich. Bei seinen Sprüngen zu den Ponys war er sehr gut zu halten.

Das abendliche Füttern ist kein Problem mehr und kann somit abgeschlossen werden. Er tritt auch mehrere Schritte zurück und wartet bis ich ihm sage, dass er fressen darf.

 

Der Donnerstag war für Menti ein ganz besonderer. In der Gruppe ist bei minus 2 Grad der Frühling ausgebrochen. Menti hat sich in Haflingerstute Fenja verliebt. So hatte Nero an dem Tag auch mal seine Ruhe. Er schien sich immer besser an die Gruppe zu gewöhnen und so durfte er am Tag immer wieder an die Heuraufe und fressen. Er stand den ganzen Tag draußen. Ich habe ihn erst gegen 20.30 Uhr reingeholt. Bis dahin machte er keine Anstalten rein zu wollen, was eine gute Voraussetzung für den Offenstall ist. Ansonsten hatte er heute frei.

 

Am Freitag war das Bein dann doch leicht dick und warm. Da dies nur minimal war, entschied ich mich nochmal für die Gruppe. Dort war es den ganzen Tag sehr ruhig. Und am Abend war das Bein auch wieder dünn und kalt. Die Bewegung draußen scheint ihm gut zu tun.

Nach dem putzen sind wir wieder in die Halle. Wie immer ist er in den ersten 10 Minuten sehr unruhig. Fragt alles ab und schnappt manchmal. Meine "Spielregeln" werden allerdings konsequent umgestzt, so dass er jetzt auch öfters in die Luft schnappt. An der Longe zeigte er sich konzentriert. Schritt, Trab, Halten und Rückwärts konnte ich Problemlos auch mit viel Abstand abfragen. Zwischendurch hat er wieder die Ponys angegangen, aber mittlerweile konnte ich ihn mit einem kurzen Pfiff wieder runterholen. Er ging sofort wieder ruhig an der Longe. Nachdem longieren wollte ich eigentlich aufhören und trocken führen. Doch Menti war noch so gut dabei, dass ich die Lektion "rum" noch geübt habe. Das fällt ihm schwer und es macht den Anschein als würde er dies nicht kennen. Außerdem dachte ich mir, dass wir auch noch einmal ein Training mit der Aufstieghilfe dazwischen schieben können. Das hat auch gut geklappt. Damit der den Hals etwas streckt bekommt er von oben ein Leckerchen mit seitwärts gestrecktem Hals. Das klappt schon ganz gut und wird natürlich beidseitig geübt. Und so ganz spontan saß ich dann auch schon oben. Mit Halfter und langem Strick drehten wir dann zwei Runden. Die Ponys waren plötzich egal und wir konnten auch Halten und Rückwärtsrichten.

Nachdem ich wieder abgestiegen war, wollte ich mal seinen Halsansatz massieren. Der ist sehr hart und entsprechend verspannt. Aber ich hatte keine Chance daran zu kommen. Meine Idee: Ich versuche erst einmal näher an den Kopf zu kommen. So entstand der Plan das Kommando "no" zu lernen. Ich kam zumindest soweit an die Ohren, dass er es verstanden hat. Eine weitere Lektion kam hinzu. Mit dem Spanischen Schritt hörten wir dann nach einer knappen Stunde wirklich auf. Auch dieser klappte schon besser und wir schafften gemeinschaftlich 3 Schritte. Mir war gar nicht bewußt wie lang wir eigentlich in der Halle waren. Umso erstaunter war ich über Mentis Konzentration. Allerdings muss ich an der Stelle auch mal sagen, dass ich normalerweise nicht soviele verschieden Sachen in eine Übungseinheit unterbringen würde.

 

Nach einer Bewegungsstarken Woche hatte ich mich Samstag dazu entschieden, Nero und Menti auf eine getrennte Wiese zu stellen. So konnten die beiden anderen draußen bleiben und Menti konnte sich etwas erholen. Der Boden war wieder sehr matschig und um die Heuraufer herum sehr tief. Für das Bein, was wirklich gut durchhält, nicht so schön. Davi durfte den Herren Gesellschaft leisten und für Menti war es kein Problem.

Am Abend ging es wieder in die Halle. Dieses Mal hatten wir ein Stangen L, einen Stangentrichter und Slalomhütchen aufgebaut. Das warm Führen wurde schon deutlich besser, aber ich musste immer noch Abwechslung mit einbauen und konnte nicht einfach 15 Minuten Schritt gehen. Mein Trainingsziel heute war, dass er um die Hütchen vor mir weicht. Ich musste also die Distanz zu ihm verkleinern ohne das er sich angegriffen oder eingeengt fühlt. Das hat einige Anläufe gebraucht und war nicht so ganz einfach. Zum Schluß hat es aber einigermaßen geklappt. Natürlich haben wir zwischendrin auch Pausen gemacht und sind zu den Stangen gegangen. Die waren kein Problem. Rückwärts oder Vorwärts war ihm eigentlich egal. Nach 30 Minuten Schritt, hab ich mich mit Halsring draufgesetzt. Trotz der Ponys war er deutlich entspannter. So konnte ich ihn mit Halsring durch die Halle, um die Hütchen und sogar Rückwärts durchs Stangen L reiten. Ich habe den Eindruck, was er einmal verstanden hat, macht er ganz automatisch. Und zum Schluß konnten wir sogar ein paar Runden traben. Er war sehr lieb und aufmerksam und ich würde sagen es hat ihm wirklich Spaß gemacht.

Bevor es in die Box ging, gab es noch ein wenig Bodenarbeit. Zum Schluß durfte er wieder den Spanischen Schritt zeigen, der zum ersten Mal über mehrere Schritte funktioniert hat. Auch das "no" ging schon deutlich besser. Und ich durfte zumindest kurz den Halsansatz massieren. Es geht aufwärts. Auch die Beißattacken waren heute deutlich weniger heftig als in den Tagen davor.

 

Auch Sonntag ging es nochmal mit Nero und Davi auf die gesonderte Wiese. Das war kein Problem und so konnten sie den Vormittag genießen.

Am Mittag war ich mit Menti das erste Mal auf dem Reitplatz. Auch das machte ihm nichts aus. ich habe ihn dort longiert und auch mal richtig im Trab vorwärts geschickt. Er hatte richtig Spaß daran und lief als würden wir uns schon ewig kennen. Auch der kurze Galopp war sehr energiegeladen und schwungvoll. Schon das zusehen machte Spaß. Nach der Longe gab es noch etwas Bodenarbeit. Vorwärts-Rückwärts-rum. Gerade beim "rum" konnte man echte Fortschritte sehen. Menti hat einmal versucht mich zu beißen ist aber schon beim Versuch einen Schritt gewichen. Auch dieser Weg zeigt erste Erfolge, da er lernt. Erlerntes Verhalten kann man nicht von heute auf morgen ändern. Es wird immer wieder diese Situationen geben, aber er weiß, dass ich das nicht dulde und ihn wegschicke. Heute hat er das von ganz alleine gemacht. Ein erster wichtiger Schritt zum Beißfreien Menti. Zum Abschluss hat er auf beiden Händen eine halbe lange Seite korrekten Spanischen Schritt gezeigt. Und auch das "no" sitzt fast perfekt. Ein Kopfschütteln auf Fingerzeig kommt schon. Nur mehrfach hintereinander muss noch geübt werden, da fehlen die Motivationskekse zwischendrin.

 

Was bleibt am Ende der ersten Trainingseinheit:

1. Das wichtigste: Das Bein hat alle Anstrengungen ausgehalten und ist abends

    grundsätzlich dünn und kalt.

2. Menti wird langsam umkonditioniert. Die Unruhe, Nervosität und Unterforderung weicht

    einem entsprechendem Training. Das schnelle Abfragen von Lektionen und die Einteilung

    der "Privaten Zonen" werden akzeptiert. Leckerchen motivieren zum Arbeiten und

    mindern das Angreifen. Bei genauer Beobachtung werden die Beißattacken

    berechenbarer und man kann sich darauf einstellen. Man darf sich aber nicht zu sicher

    sein. Und es wird noch eine lange Zeit dauern, bis diese ganz verschwunden sind.

3. Menti weicht Problemlos beim Füttern. Dieser Punkt kann schon mal abgehakt werden.

 

 

Trainingsabschnitt 2 (13.02. bis 19.02.2017)

In der zweiten Woche geht es darum, den Alltag einkehren zu lassen. Vor jedem Training sollte man sich realistische Ziele setzten. Die Ziele für diese Woche:

 

1. Das Bein muss im Auge behalten werden und sollte nicht dick/warm werden.

2. Die Beißattacken müssen deutlich weniger werden.

3. Eine Massage hinter den Ohren bzw. im Kopf/Hals Bereich sollte möglich sein.

4. Das Führen sollte mit weniger Problemen beißen oder stehen bleiben möglich sein.

 

Um Menti endlich in den Alltag zu integrieren habe ich ihn die ganze Woche in die große Gruppe gestellt. Um keine weiteren "Jagereien" zu riskieren, habe ich Dino und Giddy vorsorglich aus der Gruppe genommen. Dino wird am Sonntag wieder zurück nach Hause gehen und so musste ich kein Risiko mehr eingehen. Zwischendurch habe ich auch Giddy stundenweise mit raus gestellt. Im Großen und Ganzen hat das alles sehr gut geklappt. Manchmal wurde natürlich gerannt. Aber Menti durfte fressen und auch in den Unterstand. Nur Fenja war nicht mehr rossig, so dass die große Liebe schon fast wieder vorbei war. Es war eine gute Woche in der Herde, so dass ich das hier nicht mehr täglich ausführen muss.

 

Am Montag sind wir auf den Reitplatz gegangen. Eigentlich wollte ich nur ein wenig Bodenarbeit machen. Im Gegensatz zu sonst war Menti sehr nervös. Er schaute immer zu den anderen Pferden und lies sich kaum beruhigen. Er hat mich direkt angegangen und zweimal gebissen. Erst nach einer klaren und lauten Ansage besserte sich dies etwas. Aber das schnappen blieb. Ich versuchte ihn durch Übergänge Schritt-Halten-Rückwärts- Spanischer Schritt zu beruhigen und auf mich zu konzentrieren. Aber das war nur schwer möglich. Als ein Pferd an der Weide vorbeikam rannten die anderen plötzlich los. Menti gab am Strick ebenfalls Gas und regte sich wahnsinnig auf. Er war zwar zu jederzeit händelbar aber an Training war nicht zu denken. Als meine Jungpferde dann noch durch ein Holztor sprangen war es ganz vorbei. Ich musste das Training notgedrungen abbrechen. Vorher konnte ich ihn aber noch etwas beruhigen und zumindest in ruhigem Schritt über den Hof führen.

Leider gibt es auch solche Tage. Aber man darf sich nicht unterkriegen lassen und sie als misslungen abstempeln. Solang es nicht jedes Mal passiert.

 

Am Dienstag hatten wir ebenfalls schönes Wetter. Ich hatte arbeitsbedingt nicht so viel Zeit und so entschied ich mich zu einem Spaziergang. Menti ist vom Typ her eher mutig. Er schaut wenig und scheint vor nichts Angst zu haben. Aber er hängt an seinen Artgenossen. Ich war sehr gespannt was er auf dem 20 Minütigen Weg anstellt. Vor allem da er ja gerne stehen bleibt. Aber alle Gedanken waren umsonst. Mit dem Hund an der Leine sind wir los. Menti war von Anfang an entspannt und machte keine Ansätze zum beißen. Er lief wie ein ganz braves Pferd leicht versetzt neben mir her. Ich ließ ihn zwischendurch halten und gab ihm einen Keks. Alles gut. Kein Stehen bleiben kein Gezicke. Auf dem Rückweg hat er zweimal gewiehert aber das war auch schon alles. Ein sehr erfolgreiches Erlebnis nach dem gestrigen Tag.

 

Um ihm auch genug Abwechslung zu bieten habe ich ihn am Mittwoch geritten. Zuerst musste er aber mal geputzt werden. Hier war er sehr unruhig und hat mich einmal gebissen. Mittlerweile hat er aber verstanden, dass ich das nicht mag und geht direkt danach (auch ohne Ansage) einen Schritt zurück. Ich meckere ihn dann nicht weiter an sondern lobe ihn (auch wenns schwer fällt). Es handelt sich hier um ein antrainiertes Verhalten, dass nicht sofort abgestellt werden kann. Zum Ende hat er sich wieder beruhigt. Dann ging es nach draußen auf den Reitplatz. Mit einigen Übungen habe ich ihn warmgeführt und danach 25 Minuten geritten. Ich habe ihn mal gesattelt und mit einer Art "super weichem Bosal" gezäumt. Es ist eine Gebisslos Zäumung. Beim Aufsteigen blieb er lieb stehen. Ich konnte Menti brav im Schritt-Halten-Rückwärts reiten. Den Spanischen Schritt bekommen wir von oben noch nicht so richtig hin. Er hat bei allen Bahnfiguren super aufs Bein reagiert und alles toll ausgeführt. Nach einer ganzen Bahn Trab auf jeder Hand bin ich dann wieder abgestiegen. Auch der Trab war gut und er ließ sich super durchparrieren. Wie immer gab es zum Schluss noch was für den Kopf. Kopf schütteln klappt 1a, Spanischer Schritt ebenfalls.

 

Am Donnerstag hatte er dann einen freien Tag und stand über 12 Stunden mit der Herde draußen. Er machte keine Anstalten rein zu wollen, was für die zukünftige Offenstallhaltung natürlich super ist.

 

Am Freitag sollte es eine Kombination aus Longe und Bodenarbeit geben. In der Halle war er von Anfang an ruhig. Ich konnte ihn schön im Schritt warm führen ohne gebissen zu werden. Dann ging es im Trab an die Longe. Zwischendurch habe ich ihn mal etwas zulegen lasse. Zum Schluss sind wir noch Galoppiert. Alles hat toll geklappt. Er lässt sich super parieren und ist sehr fleißig. Zum Schluss gab es noch Bodenarbeit. Ich wollte nun mit dem Schulterherein beginnen um ihn etwas zu fordern. Auf der linken Hand hat er es sehr schnell verstanden und auch gut hinbekommen. Auf der rechten Hand wurde er richtig zickig. Er hat mehrfach versucht mich zu beißen, so dass er dieses mal eine wirklich Ansage bekommen hat. Ich habe ihn energisch Rückwärtsgeschickt und einmal am Strick gezogen. Erstaunlicherweise wurde es danach viel besser. Er machte den Eindruck, als brauche er eine klare Linie und einen klaren Chef. Nun klappte es auch rechts herum einigermaßen. Nicht perfekt, aber für den Anfang hat es gereicht. Neben dem Spanischen Schritt und dem Kopfschütteln habe ich nun auch mit dem Plie angefangen. Da ich nicht möchte, dass er vorne einknickt, ist es nicht ganz so einfach. Aber auch hier ist der Anfang gemacht.

 

Am Samstag war das Wetter so nett, dass ich mit Menti auf den Platz gegangen bin. Wir waren dort allerdings nicht alleine. Nero und Gabby (die Chefin) wurden ebenfalls bewegt. Ich habe Menti gesattelt  und Gebisslos gezäumt. Ich habe ihn dieses mal auch nicht so lange warm geführt, allerdings hat er die zwei Runden trotzdem genutzt um mich einmal zu beißen. Nach dem Aufsteigen ging es in eine längere Schrittphase. Danach habe ich dann wieder die üblichen Übergänge geritten. Spannenderweise langweilt er sich beim Reiten nicht. Er versucht da nicht zu beißen oder so. Der Spanische Schritt hat aber auch dieses Mal nicht funktioniert. Aber Menti hat sich von dem Rest auch nicht ablenken lassen. Ich habe ihn zum Ende hin ein wenig getrabt und viermal durch die ganze Bahn vorwärts geschickt. Er hat das alles ganz toll gemacht. Allerdings war danach das Bein ein wenig warm.

Nach dem reiten haben wir wieder unsere "Kunststücke" geübt. Das Plie will noch nicht so richtig und beim Spanischen Gruß streikt er ebenfalls. Na ja, das wird er ja nicht kennen. Allerdings hat er erstmals das "rum" in eine gute Vorhandwendung umgesetzt. Es wird.

Wieder auf der Weide ist er mit Giddy etwas gerannt. Doch abends war das Bein wieder kalt und alles war in bester Ordnung.

 

Am Sonntag sollte es endlich wieder in die Halle zur Freiheitsdressur gehen. Der Weg dorthin klappt ganz wunderbar. Keine Unruhe, kein Beißen und auch kein rumgetänzel beim Ankommen. Ich konnte die Tür in Ruhe schließen und ihn auch in Ruhe abhalftern. Er benahm sich wie das liebste Pferd der Welt. Zuerst bin ich mit ihm Schritt gegangen. Das ging ganz gut und der "Sicherheitsabstand" wurde von beiden eingehalten. Danach ging es zum freien longieren. Das hat er großartig gemacht. Ich konnte in allen Gangarten wechseln, die Richtung bestimmen und Parieren. Auf einen Doppelpfiff kommt er nun angelaufen. Natürlich gibt es für alles Kekse und so konnten wir das gut üben. Zwischendrin gab es noch eine Runde Kopfschütteln, kein Problem. Da alles so gut geklappt hat, habe ich mal den Spanischen Schritt versucht. Dazu brauchte ich zwei Gerten und musste vor ihm stehen. Er hat das super verstanden und wir haben immer drei bis vier Tritte hinbekommen. Ihm schien das alles wahnsinnig viel Spaß zu machen und so konnten wir auch ein kleines "Fangspiel" machen. Sobald ich stehen geblieben bin, hat er das auch getan. Es hätte kaum besser laufen können. Und das schönste an dem ganzen Training, es war das erste Mal, dass es völlig ohne Beißattacke war, Er hat nicht einmal versucht zu schnappen.

 

Am Ende der Woche gilt es die Ziele zu überprüfen:

 

1. Das Bein ist nicht dick geworden. Leider wird es manchmal warm. Am Ende des Tages bzw. am

    Morgen ist es aber immer absolut in Ordnung.

2. Die Beißattacken sind deutlich weniger geworden. Allerdings sind die, die noch kommen deutlich

    heftiger - sprich er trifft öfter.

3. Eine Massage ist noch immer nicht ohne Druck möglich. Da muss ich noch mehr dran bleiben.

     Allerdings hat dies keine Priorität.

4. Das Führen hat sich deutlich gebessert. Wenn er stehen bleibt, kann man ihn recht schnell zum

    weiterlaufen bewegen. Beim täglichen Rein- und Rausstellen beißt er gar nicht mehr. Beim

    Führen in der Halle oder auf dem Platz ist es weniger geworden aber noch nicht weg.

 

=> Zusammenfassend ist er nach 2 Wochen deutlich entspannter. Er will arbeiten und ist bereit

     sich anzupassen. In der Gruppe ist er noch rangniedrig, aber ich denke das wird sich ändern.

     Bei der Arbeit ist er Motiviert und wartet ständig auf was Neues. Wenn er in dem Tempo

     weitermacht wird es sicher ein toller beißfreier Sommer.  

 

 

Trainingsabschnitt 3 (20.02. bis 11.03.2017)

Nun ist der Alltag eingekehrt. Menti wird regelmäßig gearbeitet und hat auch mal Stehphasen.

Nach wie vor gilt es, dass Beißen abzustellen und das Bein im Auge zu behalten.

 

Menti ist nun fester Bestandteil der großen Gruppe. Er hat sich gut integriert und ein wenig hoch gearbeitet. Trotz aller Erwartungen mag er Nero aber immer noch und lässt ihn fressen. Er verteidigt die Stuten und hat leider nun Probleme diese auch gehen zu lassen. Da alle 2beiner noch Respekt vor ihm haben, nutzt er dies schamlos aus. So muss ich nun die Pferde ab und an rein holen. In den 24 Stunden Offenstall darf er erst, wenn der Boden so trocken ist, dass es keine Probleme mit seinem Ben geben wird.

 

Am Montag bin ich ihn 25 Minuten geritten. Nur Schritt und Trab um das Bein nicht zu überanstrengen. Slalom und Halten war kein Problem. Doch heute wollte er so gar nicht ins Rückwärtsrichten. Auch das Stangen L war mehr schlecht als recht. Daher habe ich es gelassen, schließlich läuft er sonst fast lieber rückwärts als vorwärts. Im Allgemeinen wirkte er eher unzufrieden, was sich nach dem Reiten besserte. Zum Schluß wurde es deutlich besser. Trotzem hat er wieder häufiger versucht zu beißen. Ein positives Erlebnis gab es dann aber doch. Abends kam er auf Zuruf rein.

 

Am Dienstag gab es dann einen 25 minütigen Spaziergang. Auch hier hat er noch zweimal Versucht zu schnappen. Doch er hat es direkt germerkt und ist gewichen. Es ist irgendwie eine Art eingespieltes Verhalten, doch mitlerweile wird er sich diesem ein wenig bewußt und reagiert auf dieses Verhaten noch bevor ich was sagen kann. Ansonsten war er im Gelände absolut lieb und ruhig.

 

Auch am Mittwoch wirkte er noch unzufrieden und zickig. Das machte sich auch hier durch vermehrter Beißattacken bemerkbar. Heute stand Bodenarbeit auf dem Plan. Aber schon das Schulterherein wurde zu einer Herausforderung. Er brauchte eine ganz klare Ansage und ich musste ihm seine Grenzen ganz klar zeigen, damit er mich nicht ernsthaft durch das Beißen verletzt. Am Schluß habe ich ihm den Strick (ohne Druck auszuüben) durchs Maul gezogen. Ich wollte sehen was passiert, da er ja leidenschaftlich gerne überall reinbeißt. Das klappte erstaunlich gut, das Schulterherein klappte und Menti wirkte deutlich ruhiger. Manchmal sind es die Zufälle die einen weiter bringen. Ich überlegte es mal mit einem Trainingsgebiss zu probieren.

 

Der Donnerstag war dann mal Frei.

 

Am Freitag haben wir das Training wieder kombiniert. Wir haben mit der Longe angefangen und dann zur Bodenarbeit gewechselt. Abgesehen von einem Beißversuch (der allerdings gesessen hat) war er ein absoluter Streber. Alles hat gut oder sogar sehr gut geklappt. So konnten wir Schuterherein, Schenkelweichen, Rückwärts, Spanischer Schritt und die Vorhandwendung üben.

 

Am Samstag wollte ich das ganze nochmal in der Freiarbeit wiederholen. Und was soll ich Euch sagen....auch hier klappten alle Übungen sehr gut. Auch heute gab es nur einen Beißversuch und dann war er friedlich und sehr aufmerksam.

 

Da es die letzten Tage so gut geklappt hat, wurde es mal wieder Zeit für eine Reiteinheit. Diese war ungefähr 40 Minuten lang. Wir sind sehr viel Schritt geritten, etwas fleißigen Trab und sind auf jeder Hand einmal kurz angaloppiert. Menti hat sehr gut mitgearbeitet und alle Aufgaben gut erledigt. Es ist noch eine Menge Training nötig, aber die Ansätze für Schulterherein, Schenkelweichen, Vorhandwendung und Spanischem Schritt waren klar zu erkennen. Obwohl wir nicht so viel gemacht hatten, war das Bein nach dem reiten zwar nicht dick aber warm. Zum Glück war es Montag Morgen aber wieder normal.

 

Montag und Dienstag waren leider frei.

 

Am Mittwoch wollte ich den Gedanken der Trense mal testen. Ich habe eine Trense komplett auseinander gebaut und nur das Gebiss (doppelt gebrochen) mit dem Genickteil genutzt. Darüber ganz normal das Halfter. Beim Warmführen gab es dann eine Beißattacke, eine klare Ansage und dann ein liebes Pferd. Am Halfter hat alles sehr gut geklappt. Dann habe ich auf die Trense umgeschnallt. Das fand er erst komisch und hat mit dem Kopf geschlagen. Doch mit jeder Minute wurde es besser. Er hat abgekaut und war ruhig am Kopf. Wir sind alle Lektionen durchgegangen inkl. der Seitengänge. Super.

 

Nachdem das Bein immer noch in Ordnung war, entschloss ich mich am Donnerstag ihn an die Doppellonge zu hängen. Ich habe ihm wieder das Gebiss unter das Halfter gezogen und ihn am Halfter warm geführt. Danach habe ich ihn an die Doppellonge gehangen. Er hat wieder ein paar Minuten mit dem Kopf geschlagen doch dann war es super. Auch ohne mein zutun ist er ins Vorwärts-Abwärts gegangen und wirkte sehr entspannt. Schritt-Trab-Halten-Rückwärts alles kein Problem. Danach haben wir in die Langzügelarbeit gewechselt. Das schien für den kleinen zunächst ungewohnt. Doch nach einer kurzen Eingewöhnung klappten auch hier alle Lektionen wie am Schnürchen. Die Zeit verging sehr schnell. Um mit einem gewohnten und entspannten Gefühl die Trainingseinheit zu beenden, habe ich ihm alles abgemacht und so durch die Halle laufen lassen. Auch bei der Freiarbeit war er noch super motiviert. Es gab nur einen ganz kleinen Beißversuch, den ich aber nicht mal anmeckern musste, da er selbst reagiert hat. Er lief mir noch gut 10 Minuten hinterher, lies sich rufen und zum Halten / Rückwärts parrieren. Es war eine tolle Trainingseinheit.

 

Auch am Freitag sollte es noch eine Freiarbeitseinheit geben Am Anfang war er sehr abgelenkt, doch je länger die Einheit ging, desto besser und konzentrierter wurde er. Am Ende war es der erste Tag an dem es nicht einen Beißversuch gab. Wir sind auf dem richtigen Weg.

 

Eigentlich soll er ja mal voll geritten werden. Um das Bein möglichst ohne weitere Reaktionen an die Arbeit zu gewöhnen, habe ich die Reiteinheiten stark zurück gefahren. So bin ich am Samstag nur 20 Minuten Schritt geritten. Nun auf Trense aber nur Vorwärts-Abwärts. Ein wenig Biegung und Stellung habe ich gefordert. Nach 20 Minuten hatte ich ein sehr entspanntes Pferd, mit 4 normalen Beinen und keinem Beißversuch. Aber die kommen bestimmt wieder.

 

Am Sonntag und Montag musste er noch einmal stehen bzw. hatte frei und konnte sich um seine Damen kümmern.

 

Am Dienstag gab es dann eine kurze Longiereinheit die auch gut funktioniert hat.

 

Am Mittwoch hat sich die wenige Arbeit dann gerächt. Es stand Doppellonge auf dem Programm aber Menti war total zickig. Er hat mir sehr deutlich sein Spanisches Temperament gezeigt. Wir mussten viel Diskutieren sowohl an der Doppellonge wie auch bei der Langzügelarbeit. Zum Schluss haben wir dennoch ein einigermaßen entspannten Trainingabschluß hinbekommen, aber über den Tag sollte ich besser nicht berichten.

 

Donnerstag wollte ich erst Bodenarbeit machen, habe mich dann aber spontan zum Reiten entschieden. Das führte dazu, dass ich ihn ohne Sattel auf Halsring geritten bin. Menti war großartig. Schritt-Trab-Rückwärts-Halten alles kein Problem. Es waren noch 3 weitere Pferde in der Halle und er hat sich toll benommen. Ganz so als wollte er zeigen wie toll er ist. Nach 15 Minuten bin ich abgestiegen. Das Bein war immer noch kalt und normal. Ich habe dann noch 15 Minuten Freiarbeit gemacht. Trotz der anderen Pferde war das kein Problem. Er war sehr fixiert aber auch sehr übermütig. Er wollte mehr zeige als er konnte.

 

Bei unserem Spaziergang am Freitag ist er lieb mitgelaufen. Keine Spur vom Beißen und man könnte meinen er sei das liebste Pferd der Welt.

 

Am Samstag bin ich nochmal 25 Minuten geritten. Davon 20 Minuten Schritt und 5 Minuten Trab. Wir waren draußen auf dem Platz und Menti war sehr aufmerksam. Auch heute machte er keine Anstalten zu beißen.

 

=> Zusammenfassend kann man sagen, dass Menti sich in den 6 Wochen die er hier ist, schon stark verändert hat. Er hat sich sehr gut eingelebt und ist in der Gruppe integriert. Die Beißattacken haben deutlich nach gelassen. Man kann ihn Problemlos führen und er bleibt kaum noch stehen. Er arbeitet super mit und man kann ihn putzen ohne das er Beißt. Auch für alles neue ist er zu haben. Die Nakenmassage klappt mitlerweile ebenfalls gut.

 

=> Um nicht ständig alles zu wiederholen, werde ich zukünftig nur noch zusammenfassend in den einzelnen Trainingsformen berichten. Wen jemand Fragen hat, darf er sehr gerne eine Mail schreiben. Aktuell ist unser Ziel eine Freiheitsdressur im Showprogramm am 26.08.2017.

 

 

 

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